Bio-Imker-Honig

Fast alles über Honig > Honigkunde für Veganer

Andreas Vent-Schmidt, Pabstthum 3a, 16818 Karwe, Telefon: 033925-900035, E-Mail: imker@vent.net

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Ist Honig vegan?

Kleine Honigkunde für Veganer – warum das denn?

In verschiedenen Internet-Foren, die sich mit der veganen Lebensweise beschäftigen, kursieren »Infos«, die nicht nur diese Bezeichnung nicht verdienen, sondern teilweise sogar haarsträubend falsch sind. Da wird von Imkern »berichtet«, die aus Kostengründen angeblich ihre Beuten mit Benzin übergießen und sie samt Bienen bei lebendigem Leibe verbrennen würden. Oder es geht die Legende um, der Rauch wirke auf die Bienen betäubend oder gar tödlich. Am Ende werden Imker als profitgierige Tierquäler dargestellt, denen das Wohl ihrer Tiere völlig egal sei.

Es ist schön und leider viel zu selten, wenn Menschen sich über den Umgang mit Tieren Gedanken machen und ihre eigene Lebensweise an einem respektvollen Umgang mit der Natur und unseren »Mitgeschöpfen« ausrichten. Aber ein klein wenig Respekt kann man wohl auch als Imker erwarten, oder? Und dazu gehört, nicht einfach irgendwelche Gruselmärchen ungeprüft weiterzutragen, die ein so schlechtes Licht auf uns Imker werfen.

Besonders ärgerlich dabei ist, daß meist keine Unterscheidung zwischen konventionellen und Bio-Imkern gemacht wird. Einige der Vorwürfe treffen nämlich auf konventionelle Imker zu, einige weitere auf Großbetriebe im industriellen Maßstab (die hauptsächlich auf dem amerikanischen Kontinent anzutreffen sind).

Es scheint Informationsbedarf zu geben

Gleich vorneweg: die Frage, ob Honig vegan ist oder nicht, berührt mich nicht. Ehrlich gesagt, ist es mir egal, denn ich bin kein Veganer. Aber ich möchte dennoch jedem, den diese Frage interessiert, zu einer eigenen Antwort verhelfen, indem ich hier einige der teilweise abenteuerlichen Behauptungen korrigiere und noch weitere Infos zu Honig geben. Viele interessante Fakten zu Honig sind bereits an anderer Stelle auf dieser Website behandelt; diese werde ich nicht wiederholen. Bitte also ggf. zuerst in den entsprechenden Kapiteln anfangen zu lesen.

Wichtig: alle hier getroffenen Ausführungen beziehen sich auf die mitteleuropäische Erwerbs- und Hobby-Imkerei. Über Großbetriebe in den USA oder Südamerika weiß ich nicht genug, um dazu fundierte Aussagen zu machen.

* E-Mails zu diesem Thema werden nur noch im Ausnahmefall beantwortet. Mit Sicherheit ignoriert werden Mails, die uns lediglich für die vegane Lebensweise zu missionieren versuchen, sowie unsachliche oder unhöfliche Nachrichten.

Interessant für mich ist, daß ich bei keiner anderen Gruppe von Menschen auf derart geballtes Halb- und Unwissen über Honig gestoßen bin, wie bei Veganern. Und es finden sich neben der vernünftigen Mehrheit hier auch besonders viele militante Fundamentalisten. Ich habe in der Vergangenheit eine Reihe von bitterbösen E-Mails bekommen, die mit einer normalen Auseinandersetzung zum Thema nichts mehr zu tun haben*. Einfach nur für die Grundaussage, daß Imker nicht grundsätzlich Tierquäler sind. Ich bitte deshalb, mir den folgenden, nicht so ganz ernst gemeinten Titel zu verzeihen:

Die sieben bösen Veganer-Geschichten über Imker und Honig

1. Imker reißen den Bienen Flügel und Beine aus

Es gibt Imker, die der Königin einen Teil eines Flügels abschneiden, um sie am Schwärmen zu hindern. Ausgerissen wird der Flügel aber nicht, denn die Gefahr wäre zu groß, daß die Königin durch Folgeverletzungen in der Legeleistung nachläßt oder total ausfällt (Königinnen mit schwacher Leistung werden vom eigenen Volk getötet und eine neue aufgezogen). Beine auszureißen hat keinerlei Sinn, macht aber Arbeit: folglich macht das kein Mensch. In der Öko-Imkerei sind jegliche Verstümmelungen, also auch das Beschneiden der Flügel, absolut tabu und verboten.

2. Honig enthält Rückstände von Antibiotika

Das ist in dieser pauschalen Darstellung Unsinn. Richtig ist, daß die meisten konventionellen Imker chemische Mittel gegen die Varroa-Milbe einsetzen (z.B. Perizin® der Firma Bayer). Diese Mittel sind aber keine Antibiotika. Richtig ist auch, daß Rückstände davon sich im Wachs und letztlich auch im Honig anreichern können. Vor einigen Jahren wurden zur Bekämpfung der Amerikanischen Faulbrut (eine Bienenkrankheit) teilweise Antibiotika eingesetzt. Inzwischen sind diese in Deutschland verboten. Bio-Imker dürfen grundsätzlich nur organische Säuren (z.B. Ameisensäure, Oxalsäure) verwenden, die übrigens auch natürlicherweise im Honig vorkommen. In Bio-Honig sind also ganz sicher keine Antibiotika. Und wenn wir schon dabei sind: zur Herstellung von Ameisensäure werden keine Ameisen »ausgepreßt«: die Säure wird technisch hergestellt.

3. Der Wert von Honig für die Ernährung wird überschätzt / Honig ist wie Zucker ungesund

Das Gegenteil ist der Fall. Honig zählt zu den wertvollsten Arznei- und Heilmitteln und wird nicht zufällig seit Jahrtausenden von Menschen genutzt. Die mehr als 20 Zuckerarten im Honig sind etwas ganz anderes, nämlich keine Polysaccharride (wie Rohr- oder Rübenzucker), sondern Einfachzucker, die vom Körper leichter aufgenommen und verdaut werden können. Von den Vitaminen, Mineralstoffen usw. ganz abgesehen. Honig wirkt auch äußerlich, z.B. zur Unterstützung der Wundheilung. Siehe dazu die Seite über Inhaltsstoffe und Wirkungen von Honig.

4. Die Bienen werden bei der Honigernte getötet

Einen solchen Unfug habe ich selten gehört oder gelesen. Warum sollte ein Imker das tun? Ehrlich: das macht nicht einer! Denn von einem lebenden Volk kann er ein weiteres Mal Honig ernten, von einem toten nicht.

Ebenso ist die Behauptung Unsinn, bei der Honigernte werde Brut, also Bienenlarven oder -puppen, getötet. Brut ist für den Imker das Wertvollste am ganzen Bienenstock (noch wertvoller als Honig), denn die gute Entwicklung, Überwinterung und damit der Fortbestand des Volkes hängt von ausreichend starker Brut ab. Im übrigen sind Brut- und Honigräume voneinander getrennt. Der Honig, den die Bienen im Brutraum in direkter Nachbarschaft der Brutzellen abgelagern, wird von Imkern mit guter fachlicher Praxis nicht entnommen. Deshalb hat man bei der Honigernte überhaupt nichts an der Brut zu tun – wie sollte also bei dieser Gelegenheit Brut vernichtet werden?

Was vorkommen kann, ist, daß bei der Entnahme oder beim Wiedereinsetzen der Honigwaben einzelne Bienen versehentlich zerdrückt werden. Oder wenn der Imker gestochen wird, verliert die Biene ebenfalls ihr Leben. Aber im Verhältnis zur Gesamtzahl der Individuen ist die Anzahl dieser Opfer extrem gering.

Man kann auch auf dem Weg zum Salatbeet aus Versehen einen Käfer zertreten – dann wäre Kopfsalat nicht mehr vegan. Ich bin sicher, daß bei der industriellen Produktion veganer Lebensmittel in weitaus größerem Umfang Tiere unbeabsichtigt verletzt oder getötet werden als bei uns Imkern. Und wenn es der Feldhase ist, der dem Mähdrescher nicht mehr entkommen kann...

Ich selbst verwende zur Honigernte eine sog. Bienenflucht. Das ist eine Art Trennwand zwischen Brut- und Honigraum. Sie wird am Tag vor der Honigernte eingesetzt. In der Wand ist eine Öffnung mit einer Vorrichtung angebracht, die nach dem »Irrgarten«-Prinzip die Bienen vom Honig- in den Brutraum leitet. Den umgekehrten Weg finden die Bienen nicht. Auf diese Weise ist am nächsten Tag die Honigzarge bienenfrei und kann einfach abgenommen werden – ohne Streß, ohne Stiche und ohne das Volk nennenswert zu stören.

5. Der Imker benutzt Rauch, um die Bienen damit zu betäuben...

...was häufig sogar zum Tod der Bienen führt. Tatsache ist: die Bienen interpretieren den Rauch als nahenden Waldbrand und machen sich bereit, die Behausung notfalls zu verlassen. Dazu nehmen sie Proviant auf, nämlich Honig. Und eine satte Biene mit voller Honigblase sticht nicht (oder selten). Das ist die Wahrheit über den Rauch. Die Bienen werden durch den Rauch weder betäubt noch irgendwie geschädigt.

6. In kalten Gegenden brennen Imker ihre Völker ab, weil es zu teuer wäre, sie zu überwintern

Unglaublich! Wer denkt sich so etwas aus? Bitte mal kurz nachrechnen: eine gute Bienenkönigin kostet mindestens 40,00 €, ein ganzes Volk etwa 100,00 €. Dazu kommen Kosten für die Bienenwohnung (selbst wenn es eine billige »Einmalbeute« tatsächlich geben sollte, wird auch die nicht umsonst sein). 25 kg Zucker, was weit mehr als nötig ist, um ein starkes Volk einzuwintern, kosten etwa 20 €. Was ist jetzt für den profitgierigen Imker billiger? Noch nicht gerechnet das Benzin... Übrigens: auch in kalten Gegenden ist das Überwintern von Bienen völlig unproblematisch.

7. Bienenköniginnen werden künstlich besamt, was eine Quälerei für das Tier ist

Das stimmt, außer bei Bio-Imkern. In der konventionellen Imkerei gelten sog. Reinzucht-Königinnen als besonders wertvoll (was bezweifelt werden darf). Diese werden mit einem entsprechenden Instrument künstlich besamt. Ob das eine Quälerei für die Königin ist, weiß ich nicht, aber es ist anzunehmen. Die Königin wird zur künstlichen Besamung aber in Narkose versetzt. Für Bio-Imker ist künstliche Besamung verboten! Es gibt sogar Öko-Verbände, die eine Vermehrung der Bienenvölker ausschließlich über Schwärme, also die natürlich Art der Volksteilung, gestatten.

Die »Ausbeutung« der Bienen

Ein starkes Bienenvolk produziert in einem Sommer (entsprechend ausreichende Trachtquellen vorausgesetzt) etwa 140 kg Honig. Davon verbraucht es etwa 80 kg für den »laufenden Betrieb«, also zum Heizen der Behausung, Aufzucht des Nachwuchses, für Wachsproduktion, als »Flugbenzin«. Bleiben also etwa 60 kg als Wintervorrat, von denen aber nur etwa 25 kg gebraucht werden – der Rest ist wirklich überflüssig und wird nicht benötigt. Es können also ca. 35 kg geerntet werden, ohne den Bienen etwas anzutun. Allerdings ernten die meisten konventionellen (und die industriellen sowieso) den gesamten Wintervorrat und geben als Winterfutter eine Zuckerlösung. Bio-Imker überwintern ihre Völker dagegen auf eigenem Honig (höchstens ein Teil wird durch Futter ersetzt).

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Und? Ist Honig nun vegan oder nicht?

Keine Ahnung. Vermutlich gibt es auch innerhalb der Gruppe der Menschen, die sich für eine vegane Lebensweise entscheiden, Abstufungen und Unterschiede darin, wie strikt sie die Prinzipien befolgen. In der Zusammenfassung kann man festhalten:

  1. Kein Bio-Imker quält, verletzt oder tötet seine Bienen, um Honig zu ernten, reich zu werden oder gar aus Bequemlichkeit.
  2. Ja: den Bienen wird Honig weggenommen. In der konventionellen Imkerei kann man das durchaus als Ausbeutung betrachten, denn als Ersatz gibt es nur billiges Zuckerwasser.
  3. Verantwortungsvolle Bio-Imker lassen ihren Bienen zum Überwintern genügend eigenen Honig. Sie ernten das, was im Frühjahr und Sommer über den Eigenbedarf der Bienen hinausgeht. Ob das Ausbeutung ist, soll jeder für sich entscheiden.
  4. Importhonig ist meist hochproblematisch. Der Umgang mit den Bienen in industriellen Großbetrieben ist nicht artgerecht, nicht respektvoll und daher nicht akzeptabel.

Stand: 10.08.2014, © 2007-2016 Andreas Vent-Schmidt, alle Inhalte sind urheberrechtlich geschützt.
Die Bezeichnung „Bio-Imker-Honig“ sowie das dazugehörige Logo sind eingetragene Warenzeichen.